23.Mai 2018

Zeitungsartikel von Toast Hawaii im Werner-von-Siemens-Gymnasium Gronau – 23.05.2018

Zeitungsartikel Gronau

Theater an der Niebuhrg präsentierte Musical „Toast Hawaii“

Zurück in die 50er-Jahre

Gronau –

 

Das waren noch Zeiten: Eine HB-Zigarette verhinderte, dass gestresste Männer an die Decke gingen, während „Frauengold“ die Nerven der Mitmenschen weiblichen Geschlechts beruhigte. Zeiten, da Frauen angeblich nur zwei Fragen beschäftigte: „Was ziehe ich an, und was koche ich?“ Wo der Herr des Hauses wie ein Pascha lebte, die Hoheit über den Einschaltknopf am Fernsehempfangsgerät hatte, und Frau und Tochter vorschrieb, wo‘s langgeht.

Von Martin Borck

Dienstag, 22.05.2018, 09:05 Uhr

 

Frau Antje verzweifelt: Bei dem Trubel gelingt es ihr schon wieder nicht, ihre Toast-Hawaii-Werbung anzubringen. Foto: Martin Borck

Gronau

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In dieser Zeit, den 50er-Jahren, begann die Jugend aber auch, zaghaft gegen Spießertum und überkommene Werte zu rebellieren. Auch wenn sich Rollenklischees noch als hartnäckig erweisen sollten. Das Musical „Toast Hawaii“ des Oberhausener Theaters an der Niebuhrg entführte am Sonntagnachmittag seine Zuschauer in der Aula des Gymnasiums in diese aufregenden Jahre. Mit Dutzenden von Schlagern, die ihren immergrünen Status unter Beweis stellten.

Die Geschichte ist fast belanglos, das Happy End genauso vorhersehbar wie die Irrungen und Wirrungen auf dem Weg dorthin: Der Teenager-Liebe legt der Papa des Mädchens Steine in den Weg Obwohl er dem jungen Mann, seinem Lehrling Richard, sogar ans Herz gelegt hat, etwas selbstbewusster zu sein („Wie ein Tiger“) und sich eine Freundin zuzulegen. Nur: Dass Richard für Papas kleines Mädchen Maria schwärmt (und umgekehrt) – das verstößt ja nun doch gegen jeglichen Anstand. Meint Papa. Genau wie die Pläne von Maria, die auch noch von einer Fernseh-Karriere als Sängerin träumt.

Papas Vorurteil, dass am Fernsehset lose Sitten herrschen, erweist sich als nicht ganz unbegründet. Das zeigt sich in Person der männerverschlingenden Trixie. Als Maria ausbüxt und zum Vorsingen fährt, folgen ihr Eltern und Richard unabhängig voneinander. Trixie breitet ihre Tentakel auch nach Richard aus – doch schließlich fügt sich durch einen Katarrh alles zum Guten. Der verhindert nämlich, dass Trixie beim Wunschkonzert singen kann. Maria springt für sie ein – und ihr Papa erkennt letztendlich doch, dass Richard und seine Tochter füreinander bestimmt sind.

Was das Ganze mit „Toast Hawaii“ zu tun hat? Holland-Käse-Werbefigur Frau Antje versucht in dem Stück immer wieder, das Rezept für den kulinarischen Genuss anzubringen – scheitert aber genauso oft. Ein schöner Running Gag, wie auch die Figur von Trixie, die als Akkusativ/Dativ-Unkundige andauernd „mir“ und „mich“ vertauscht.

Das Publikum wurde musikalisch in die 50er- und 60er-Jahre versetzt durch die Darbietung von zahllosen Schlagern. Von „Quando, quando“ und „Schuld war nur der Bossa Nova“ über die „Kleinen Italiener“ und „Pigalle“ „Kalkutta liegt am Ganges“, den „Kriminal-Tango“ bis hin zum „Popocatapetl-Twist“. Ein Wiederhören mit alten Bekannten.

Das Stück war flott inszeniert und bot gut zwei Stunden unbeschwerte Unterhaltung. So gar nichts für HB-Männchen…

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