13.Juli 2020

Zeitungsartikel von ,,Runter zum Fluss” – vom 21.06.2020

PARKKBANKTHEATER

Niebuhrg in Oberhausen inszeniert tolle Beziehungskiste

 

Anke (Nina Barton) hat sich nicht nur im Zelt von Karsten (Oliver Sekula) einquartiert. Sie

verordnet ihm auch gleich ein Umerziehungsprogramm.

 

Niebuhrg in Oberhausen inszeniert tolle Beziehungskiste | waz.de | 22.06.20, 13)23

 

OBERHAUSEN.

Zwei Stunden schlagfertige Dialoge und brillante Komik bietet die Komödie

„Runter zum Fluss“ im Garten der Niebuhrg in Oberhausen.

An den Ort der Sehnsucht vieler Menschen, die seit Monaten darauf warten, hat das

Parkbahntheater der Niebuhrg in Lirich sein Publikum am Freitagabend geführt: auf einen

Campingplatz in Südfrankreich. Dort wurden die Zuschauer Zeugen einer Beziehungskiste, die

ihnen zwei Stunden lang schlagfertige Dialoge, brillante Komik, prächtigen Gesang und einige

Einsichten in die Zerbrechlichkeit der Liebe bot. Die beiden Darsteller Nina Barton (als Anke)

und Oliver Sekula (als Karsten) lieferten mit der Boulevardkomödie „Runter zum Fluss“ von

Frank Pinkus eine mehr als solide künstlerische Leistung ab.

 

Anke und Karsten sehen sich dort als Zeltnachbarn genau zur gleichen Zeit nach endlosem

Streit von ihren Partnern verlassen, reagieren aber völlig unterschiedlich darauf. Während er

um sein „Schnackel“ trauert, verschwendet sie scheinbar keinen Gedanken daran, woran der

Zwist mit ihrem „Stier“ gelegen haben mag. Sie macht sich stattdessen an Karsten heran. Nur

entspricht der so gar nicht ihrem Bild von einem „richtigen“ Mann.

Mangels eigener Behausung quartiert sie sich kurzerhand nicht nur in seinem Zelt ein. Sie

unterwir! ihn auch gleich einem Umerziehungsprogramm. Und er, der lange beim „Sie“ bleibt,

lässt es mit sich geschehen, ist ihm doch klar, dass er als langweiliger Beamter mit vielen

Marotten ohnehin an sich arbeiten müsste, wenn er auf dem Beziehungsmarkt noch einmal

punkten wollte.

 

 

Gegensätze ziehen sich an

Größer könnten die Unterschiede zwischen den Urlaubsbekanntscha!en nicht sein: sie

temperamentvoll, um keine Ausrede verlegen, immer mit dem letzten Wort („Ich sage frei

raus, was ich denke“) und er verlegen, selbstkritisch („wenn ich ehrlich bin, hab’ ich eigentlich

Angst vor Frauen“), mit Engelsgeduld, bis ihm irgendwann die Hutschnur platzt. Genau darauf

hat sie gewartet, als sie ihn erst dazu bringt, sich nass zu rasieren, dann selbstbewusster

aufzutreten, ja sogar Alkohol zu trinken und Gewagtes zu unternehmen.

Das Eis zwischen ihnen ist gerade gebrochen, als die geflohenen Partner ihre Rückkehr

ankündigen. Wie das ihre Beziehung beeinflusst, sei hier nicht verraten. Es sind gekonnt

gesungene Lieder, die die jeweilige Lage beschreiben, zum Beispiel „Sie“ (bekannt durch

Charles Aznavour) oder am Ende Edith Piafs „Schau’ mich bitte nicht so an“. Schade nur, dass

nur etwa 20 Zuschauer zur Premiere kamen. Aber der Spaß wird am Freitag, 26. Juni, 19 Uhr,

Samstag, 27. Juni, 19 Uhr, und Sonntag, 28. Juni, 17 Uhr, erneut gespielt und auch im Juli.

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