01.Mai 2018

Zeitungsartikel von Toast Hawaii im Theater Euskirchen – 21.04.2018

Zeitungsartikel Euskirchen 2018

Zurück in die Wirtschaftswunderzeit
von Maria Bravo

 

Euskirchen. 21.04.2018
Wer sich ins Deutschland der 1950er- und 1960er-Jahre zurückversetzen möchte, musste am Samstag nur ins Stadttheater kommen. Dort zeigte das ‚‚Theater an der Niebuhrg“ am Abend das Gastspiel ‚‚Toast Hawaii – die Musical-Show der 50er- und 60er-Jahre“.
Die zehn Schauspieler unterhielten rund 350 Zuschauer mit einem zweieinhalbstündigen Programm.
Die Geschichte des Stücks wirkte wirklich und unwirklich zugleich: Die 17-jährige Maria (Christina Stephan), Tochter eines Lebensmittelhändlers, und der Lehrling ihres Vaters, Richard (Fabio E. Travaglino), verlieben sich ineinander und werden ein Pärchen. Marias beruflicher Traum ist eine Fernsehkarriere. Mit beidem hat Vater Peter Sperlich (Jens Kipper) aber große Probleme, und Mutter Marianne Sperlich (Carolin Ruthig) muss ihren ehefräulichen Pflichten gemäß den Vater natürlich in seiner Meinung stützen. Die schöne Maria ist dieser Bevormundung bald überdrüssig und fährt heimlich auf eigene Faust zum Vorsingen für eine Fernsehsendung nach Köln. Als der Freund und die Eltern das herausfinden, reisen sie ihr kurzerhand hinterher: Richard, um sie zu beschützen, Vater Sperlich, um sie von ihren Karriereabsichten abzuhalten.
Im Studio angekommen, nimmt der Lauf der Dinge dann aber eine unerwartete Wende, denn die Fernsehmenschen vertreten eine ganz eigene Sicht auf die Dinge und haben Großes mit Maria vor.
So surreal der rasante Medienaufstieg von Maria und die Verhaltensweisen von Mann und Frau stellenweise wirken, so plakativ scheinen letztere die damalige Realität wiederzugeben, auch wenn dies mit einem Abstand von mehr als 50 Jahren manches Mal schwierig vorstellbar ist. Sämtliche Klischees werden in dem Gastspiel bedient, so bezweifelt Maria, dass sie ihrem Liebesglück mit Richard von selbst auf die Sprünge helfen soll, denn ‚‚Papa saht: >> Wenn die Frau den ersten Schritt macht, endet es immer böse<<“.
Vater Sperlich wiederum erteilt seinem Lehrling, unwissend von dessen Ambitionen für die eigene Tochter, Flirttipps wie ‚‚Geh`auf die Kirmes – am Autoscooter lernt man die Frauen kennen!“
und Mutter Sperlich, die die Pläne ihrer Tochter tief in ihrem Herzen unterstützen möchte, stellt in einer Diskussion mit Maria resigniert fest: ‚‚Meine Meinung spielt doch keine Rolle!“
Aber nicht nur die familiäre Dynamik der 50er und 60er, sondern auch die Fernsehbranche wird in dem Theaterstück aufs Korn genommen: Wenn Sängerin Trixie (Susanne Starzak) nicht gerade versucht, Mona (Marion Müller) ihren Freund und Sänger Wolfgang (Thomas Schiffmann) streitig zu machen, trinkt das Show-Trio Cognac oder raucht HB-Zigaretten. Die reicht Wolfgang den Damen als Schlichtungs- und Ablenkungsversuch mit dem HB-Männchen-Spruch ‚‚Wer wird denn gleich in die Luft gehen, erstmal eine HB“.
Bei all dem Erinnerungsschwelgen an die Jahres des Wirtschaftswunders darf auch die holländische Frau Antje nicht fehlen, die ihrer blau-roten Tracht mit dem weißen Mützchen versucht, den ‚‚lieben Hausfrauen“ vor den Fernsehgeräten zu erklären, wie man ‚‚Toast Hawaii‘‘ zubereitet.
Die Revue schafft es durchweg, mit flotten Schlagern, Tänzen und Schauspiel sämtliche Klischees zu bedienen, die das Publikum an vergangene Tage denken lässt. Zum einen gelingt das durch bekannte Elemente wie die Bravo-Zeitschrift, aber auch durch Lieder wie ‚‚Pigalle“, ‚‚Kriminal-Tango“ und ‚‚Ganz Paris träumt von der Liebe“.
Zum anderen leistet hierzu auch die authentische und leidenschaftliche Spielweise der Darsteller ihren Beitrag.
Die Idee zum Stück ‚‚Toast Hawaii – Die Musical-Show der 50er und 60er Jahre“ kam Autor und Regisseur  Thomas Schiffmann durch seine Kindheitstage.
‚‚Damals gab es noch kein Internet, daher bin ich mit der Musik meiner Eltern aufgewachsen“, erzählte der 52-Jährige. Obwohl das Stück bereits vor acht Jahren seine Premiere feierte, scheint es immer noch den Publikumsgeschmack zu treffen. Es wurde jedenfalls viel gelacht im Theatersaal.
‚‚Ich war damals 15, das ist genau meine Zeit, und mich erinnert hier alles daran“, erzählte Renate Uelpenich aus Euskirchen.
Das Stück wird noch bis Ende Juni in verschiedenen Städten in NRW aufgeführt.

© 2018 Theater an der Niebuhrg – Alle Rechte vorbehalten